Beratung ist eine zentrale Aufgabe von Schule und wird am KKG selbstverständlich sehr ernst genommen. Sie umfasst insbesondere die Beratung bei Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten sowie die Schullaufbahnberatung und Berufswahlorientierung. Eine gute und individuelle Beratung stärkt die Persönlichkeitsentwicklung eines jeden Schülers und trägt entscheidend zum Gelingen der Schullaufbahn am Gymnasium bei. Grundsätzlich nehmen alle unsere Lehrer/innen die an sie von den Schüler/innen und ihren Eltern herangetragenen Beratungsaufgaben wahr. Neben den Fachlehrer/innen sind zunächst einmal die Klassenlehrer/innen der Stufen 5-9 sowie die Jahrgangsstufenleiter/innen der Oberstufe erste und wichtige Ansprechpartner für Eltern und Schüler/innen. Die Schulleitung, die Unter-, Mittel- und Oberstufenkoordinatoren sowie die SV-Lehrer und Beratungslehrer stehen Ratsuchenden ebenfalls jederzeit zur Seite. Außerdem gibt es das Präventionsteam, das derzeit aus acht Kolleg/innen besteht, die sowohl im Einzelfall tätig werden als auch das Klassentraining organisieren und leiten. Weitere außerschulische Beratungspartner wie eine Schulpsychologin sowie Sonderpädagogen kommen hinzu und ergänzen das Beratungsangebot am KKG. Der Inhalt der individuellen Beratungsgespräche ist stets vertraulich und darf nur mit Einwilligung des Ratsuchenden anderen (Eltern, Schüler/innen, Lehrer/innen) mitgeteilt werden. Die Beratung erfolgt lösungsorientiert und wird häufig freiwillig gesucht. Mit Blick auf den Einzelfall werden individuelle Maßnahmen besprochen, die den Schüler/innen helfen sollen, etwa ihre Konzentrationsschwierigkeiten, Motivationsprobleme, Verhaltensauffälligkeiten zu reflektieren und Lösungsansätze zu finden. Ggf. werden auch Kontakte zu außerschulischen Beratungspartnern vermittelt. Eine Einzelfallberatung kann auch erforderlich sein, wenn es um die weitere schulische Laufbahn bzw. eine Berufsberatung geht.

Neben diesem tragfähigen Beratungsnetzwerk, das vor allem Einzelfallarbeit leistet, konzentriert sich das KKG seit einigen Jahren auch auf den Ausbau eines umfassenden Team- und Gruppentrainings. Denn die Schüler/innen sollen nicht nur individuell in ihrer sozial-emotionalen Entwicklung gestärkt und beraten werden, sondern auch als Klassengemeinschaft zusammenwachsen und lernen, im Team Konflikte zu lösen. Ziel ist es, nach Möglichkeit präventiv einzugreifen, sodass körperliche und seelische Verletzungen oder Beeinträchtigungen gar nicht erst entstehen. Denn nur wenn sich die einzelnen Schüler/innen in der Gruppe gegenseitig respektieren, gewaltfrei miteinander umgehen und füreinander Verantwortung übernehmen, fühlen sich alle am KKG wohl. Verschiedene Projekte und Trainingsprogramme in den einzelnen Stufen tragen dazu bei, dass die Klassengemeinschaft nachhaltig gestärkt wird, indem den Schülern/Schülerinnen gemeinschafts- und verantwortungsförderndes Verhalten vermittelt wird.

Folgende Bausteine sind derzeit fester Bestandteil des Team- und Gruppentrainings:

Stufe

Trainingsbaustein

Zielsetzung

 

5

Sozialtraining zur Klassenbildung

Das Sozialtraining, das an einem Vormittag stattfindet, setzt sich zum Ziel, eine positive Klassendynamik zu entwickeln.

6

Mobbing-Prävention

Die Schüler/innen werden angeleitet, Ausgrenzungstendenzen in ihrer Klasse frühzeitig zu erkennen und erstellen Klassenregeln.

 7

Suchtprävention

Das Konzept befindet sich im Aufbau und soll als mehrtägiger Block zukünftig in der Fahrtenwoche für die 7. Klassen durchgeführt werden.

8

Klassentraining nach systemischem Ansatz

Das Klassenklima wird in diesem eintägigen Workshop weiter gestärkt. Sollten sich Ausgrenzungstendenzen zeigen, wird interveniert.

9

Prävention sexualisierter Gewalt

 

Die Schüler/innen lernen, Alltagssituationen auch außerhalb der Schule zu bewältigen

 

Gutes Klassen-Klima- starke Jugendliche

Unter diesem Motto finden seit drei Jahren am KKG regelmäßig Klassentrainings auch in Klasse 8 statt. Dabei geht es ausschließlich um das Miteinander der Schüler und Schülerinnen der Klasse, d.h. die Klasse selbst macht sich zum Thema des Tages.

Mit unterschiedlichen Elementen aus den Bereichen der Theaterpädagogik und der Systemischen Beratung von Gruppen erschließt sich die Klasse ihre Klassenstruktur und ihr Miteinander.  Die Trainer/innen stellen der Klasse die Methoden zunächst vor und erklären ihr, was man mit welcher Methode ans „Licht bringen“ kann. Z.B. gibt es da ein Stimmungsthermometer, eine Bodenskala mit Fragen zum Klassenklima, aber auch Rollenspiele und Kartenabfragen, um sich den besonderen Themen der Klasse zu nähern. Manchmal kommen recht schnell Konflikte einer Klasse zum Vorschein, die auf diese Weise im Prozess des Trainings bearbeitet werden können.

Das setzt natürlich immer eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre voraus und den Willen, Verantwortung für die Veränderung der Klassendynamik zu übernehmen. Bisher haben wir in den Klassen sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Schüler sind erfreut, wenn sie feststellen, dass die Trainer wirklich kein vorgefertigtes Programm mit dabei haben, sondern es wirklich um sie geht und sie in jede Planungs- und Auswertungsphase mit hinein genommen werden. Natürlich muss die Leitung dies behutsam tun, denn es gibt verdeckte und auch offene Konflikte – wie in jeder Gruppe der Gesellschaft und Arbeitswelt auch – so dass vor allem Wertschätzung für das Verhalten jedes Schülers und jeder Schülerin zu einer Grundhaltung der Anleitenden gehören.

Hauptsächlich geht es um Fragen wie:  Wie ist unser Umgangston miteinander? Wie zeigen wir uns gegenseitig Wertschätzung, wie machen wir uns Mut? Auf wessen Kosten und zu wessen Nutzen funktioniert bei uns der Klassenzusammenhalt?

Gestärkt werden soll die Eigenverantwortung einer Klasse und jedes Einzelnen für das Miteinander. Das Projekt endet mit einer Bilanzierung und der Aussicht auf eine Fortsetzung der Klassengespräche mit den Klassenlehrenden, die während des gesamten Projekts auch anwesend sind.

Sehr gute Erfahrungen haben wir immer wieder mit positiven Rückmeldungen z.B. bei Teamknobelaufgaben gemacht; aber auch mit Kompliment-Runden und Einzellob in kleineren Gruppen. Wie im Alltag auch vieler Erwachsener kommt es zu selten vor, dass man die Stärken Einzelner auch mal lobend hervorhebt.

Letztlich gelingen wird das Projekt „gutes Klassenklima –  starke Jugendliche“  nur im Zusammenspiel von a) deutlich gezeigter Verhaltensänderung Einzelner und b) der ganzen Klasse, sowie c) von regelmäßigen Rückspracherunden mit dem Klassenlehrer über die Situation der Klasse und positiver Verstärkung durch d) geplante Klassenausflüge und – aktionen.

In diesem Schuljahr 2014/2015 konnten in den 8. Klassen folgende Erfolge verbucht werden: in einer der Klassen wurden akute Ausgrenzungsmanöver öffentlich gemacht und die Klasse verständigte sich auf einen anderen Umgang miteinander, der die Situation sofort für alle veränderte und verbesserte; in einer weiteren Klasse ging es um die Verbesserung der Gesprächskultur und eine dritte intensivierte bei der Gelegenheit ihre ohnehin gute Klassendynamik.

Die Fotos zeigen einen Ausschnitt aus der Methode: „Wir stellen ein Klassenbild von uns“.

R. Theis (Beratungslehrende am KKG, Mai 2015)